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Einblicke in die Ganztagsgestaltung

Kann Schach Sport sein?

"Schach war einer der Aspekte, weshalb ich überhaupt auf die Schule gegangen bin. Das war faszinierend. Es ist cool, dass es ein Fach ist, das andere Schulen nicht haben."

Schach, was aus dem Persischen übersetzt „das königliche Spiel“ bedeutet, ist neben den Spielen Dame und Mühle sowie Pachisi eines der ältesten und komplexesten Spiele der Welt. Von der Eröffnung (die ersten zehn Züge) über das Mittelspiel (die nächsten 20 bis 30 Züge) bis hin zum Endspiel wird die Zahl der möglichen Stellungen auf 1043 geschätzt. Bereits nach zwei Zügen können 72.084 verschiedene Stellungen entstehen. 

Es gibt verschiedene Formen des Schachspiels:

  • Blitzschach (eine Partie für ca. zehn Minuten/auch online möglich)
  • Rapidschach (ca. 30 Minuten/sind die meisten Schulturniere) 
  • klassisches Schach (fünf bis sechs Stunden)

Es erfordert Training und ein hohes Maß an Konzentration, um beim Schach den Überblick zu behalten. Schach ist eben nicht nur Sitzen und Starren. Schon Albert Einstein formulierte treffend: „Schach ist das schnellste Spiel der Welt, weil man in jeder Sekunde Tausende von Gedanken ordnen muss.“ Seit 1977 gilt Schach offiziell als Sportart im Bereich des Denksports. 

Das Käthe-Kollwitz-Gymnasium erkannte die Vorteile des Denksports Schach früh und implementierte Schach als reguläres Schulfach für die 5. und 6. Klassen. Zudem gibt es verschiedene Schach-Wettbewerbe an der Schule. Auch die neuen 7. Klassen, die erst nach der Grundschule an das Käthe-Kollwitz-Gymnasium kommen, erhalten einen sechswöchigen Schnupperkurs. Schachbegeisterte Schüler*innen erhalten auch mit Eintritt in die Abiturphase die Möglichkeit das Fach Mathe und Schach als Abiturkurs zu belegen. Im alltäglichen Schulleben ist Schach ebenso präsent. Für die Schüler*innen, die Schach nicht als Unterrichtsfach haben oder im Ganztag spielen wollen, gibt es die Werkstatt Schach sowie die aktive Pause. Die aktive Pause wird von den Schulsozialarbeiter*innen angeboten und begleitet. Die Schüler*innen haben in dieser Zeit die Möglichkeit, extragroße Schachfiguren für ein Schachspiel im Freien auszuleihen. Auch in der Bibliothek, die von einem Medienpädagogen betreut wird, haben die Schüler*innen die Gelegenheit eine Partie Schach zu spielen. Schach ist am Käthe-Kollwitz-Gymnasium sowohl im Bereich des Unterrichts als auch im Bereich der Ganztagsgestaltung nicht mehr wegzudenken. 

Erfahren Sie im Folgenden mehr über die Sichtweise einer Schülerin des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums und des Lehrers und Großmeisters im Schach, Herrn Rabiega, in Hinblick auf Schach als Denksport und die Attraktivität des Schachspiels.

Was macht Schach zu einem Sport?
„Diese Frage wird seit über 40 Jahren gestellt und dazu gab es auch schon wissenschaftliche Untersuchungen, in welchen die Puls- und Herzfrequenz der Teilnehmenden während eines Schachspiels von Ärzten kontrolliert wurden. Ein Turnier zu spielen kann sehr anstrengend sein. Das kann richtig an die Substanz gehen und nach fünf oder sechs Stunden ist man meistens ziemlich kaputt“, führt Herr Rabiega aus. Ähnlich beschreibt es auch eine schachspielende Schülerin. Ihre längste Schachpartie dauerte sechs Stunden: „Wenn man lange am Stück spielt, merkt man das auch wirklich körperlich. Auch wenn es nicht das klassische Rennen oder Laufen ist, ist man danach so kaputt als wäre man einen Marathon gelaufen. Wenn man längere Partien spielt, haben die meisten Leute auch etwas zu trinken und kleine Snacks, wie Traubenzucker, dabei.“ Im Unterricht stellt Herr Rabiega einleitend oft die Frage, welche Sportart verwandt mit Schach wäre. Er vergleicht Schach mit Schwergewichtsboxen und führt aus: „Wenn ein Weltmeister im Boxen eine Sekunde nicht aufpasst, kann er ebenso k. o. gehen. So ist das auch beim Schach. Es erfordert die ganze Zeit eine hohe Konzentration und ein einziger Fehler kann die Partie kosten.“ Schach erfordert folglich regelmäßiges Training. Neben körperlicher Fitness ist auch die manchmal stundenlang dauernde Vorbereitung auf den Gegner wichtig: Das Analysieren seiner Partien und das Üben verschiedener Eröffnungsphasen. 

Was macht Schach so attraktiv?
Durch das Schachspielen werden verschiedene Kompetenzen gefördert, wie z. B.: 

  • Konzentrationsfähigkeit
  • Merkfähigkeit 
  • Entscheidungsfindung, auch unter Zeitdruck (z. B. Turniere mit Schachuhr – mit einer Schachuhr wird die Bedenkzeit der Spieler*innen gemessen und begrenzt) 
  • kognitives Sehen (eine Art Tunnelblick; das Brett wird fokussierter wahrgenommen, indem sich die Spieler*innen auf bestimmte Figuren konzentrieren und die beeinflussenden Stellungen nur am Rande wahrnehmen)
  • Selbstbewusstsein
  • Fehlerfreundlichkeit 
  • Sozialverhalten (Fairplay und als Team agieren) 
  • Problemlösekompetenz.

Herr Rabiega fasst den Kompetenzerwerb so zusammen: „Selbstbewusst sich trauen Fehler zu machen, aber trotzdem einigermaßen schnell und bedächtig dabei sein – das kann man beim Schach spielen sehr gut lernen.“ Hinzu kommt auch die Förderung des logischen, strategischen und räumlichen Denkens, also „systematisch Pläne über mehrere Etappen zu schmieden, sich auf Gegenpläne einzustellen. Es ist ein Workout für viele Themen des Geistes“, fügt Herr Rabiega ergänzend hinzu. „Die Gemeinschaft bei den Team-Wettbewerben war immer ganz toll. Sich über die Partien zu unterhalten und Züge durchzugehen ist ein sehr toller Aspekt“, beschreibt die Schülerin, was ihr am Schachspielen gefällt.

Wie kann der Einstieg ins Schachspielen gelingen?
„Die Schüler*innen müssen nicht zwangsläufig über Vorkenntnisse verfügen. Zunächst gilt es die Schachregeln zu lernen. ‚Weiße Dame, weißes Feld‘, ‚schwarze Dame, schwarzes Feld‘ oder ‚en passant‘ sind dann bald keine Fremdwörter mehr. Anschließend ist es wichtig, schnell ins Spielen zu kommen. Denn Übung macht bekanntlich den Meister. Anschließend sollte man sich nochmals die Partien und seine Fehler anschauen, um danach besser zu werden. Viele Siege sind dabei nicht so viel wert wie eine Niederlage, die gut analysiert ist und aus der die richtigen Lehren gezogen werden“, führt Herr Rabiega aus. Die Schülerin fügt hinzu: „Das ist eigentlich wie bei den meisten Sachen, aus den Fehlern kann man am besten lernen.“

Ein gutes Beispiel hierfür ist die interviewte Schülerin selbst. Sie hat in der 5. Klasse mit dem Schachspielen begonnen und spielt jetzt seit fünf Jahren. Sie hat bereits mehrere Wettbewerbe gewonnen, so auch mit der Mädchenmannschaft des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums die Deutsche Schulschachmeisterschaft im Jahr 2020. „Schach war einer der Aspekte, weshalb ich überhaupt auf die Schule gegangen bin. Das war faszinierend. Es ist cool, dass es ein Fach ist, das andere Schulen nicht haben. Für mich war es eine große Bereicherung und ist ein großer Teil meines Lebens geworden. Ich bin jetzt auch in einem Schachverein“, beschreibt sie ihre ersten Berührungspunkte mit Schach und ihre Begeisterung für diesen Sport. „Es ist faszinierend, wie Leute so auf etwas fokussiert sein können und dabei alles andere ausschalten. Ich bin sehr ungeduldig und fand es immer toll, dass ich, sobald ich am Schachbrett stand, mich stundenlang auf dieses Schachspiel, auf diese eigene Welt konzentrieren konnte. Nach vier Stunden aufzustehen und zu merken, dass ich abgetaucht und nur in diesen 64 Feldern war, ist toll.“ 

 

Diesen und weitere spannende Artikel zum Thema Sport & Bewegung finden Sie in der Begeistern und Bilden 1/2022.

 

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