21 Teilnehmende, eine Woche voller Begegnungen und eine Stadt, die kaum größer sein könnte: Vom 1. bis 8. Mai 2026 führte die Projektfahrt der Freiwilligendienste nach Seoul, Südkorea. Auf dem selbstorganisierten Programm standen Kultur, Geschichte, Politik und gesellschaftliche Themen – vor allem aber viele persönliche Begegnungen und neue Perspektiven.
Schon bei den ersten Erkundungen wurde deutlich, wie vielfältig Seoul ist. Historische Paläste und traditionelle Viertel treffen auf moderne Hochhäuser, digitale Lebenswelten und das pulsierende Leben einer Millionenmetropole. Im National Folk Museum of Korea erhielten die Teilnehmenden zunächst Einblicke in die koreanische Geschichte und traditionelle Lebensweisen. Beim anschließenden Besuch des Gwangjang Market konnten sie die koreanische Esskultur hautnah erleben und sich durch die zahlreichen Stände probieren.



Doch die Reise ging weit über touristische Eindrücke hinaus. Ein wichtiger Programmpunkt war die Zusammenarbeit mit der Organisation PLUR. Gemeinsam wurden Essenspakete für obdachlose Menschen vorbereitet und anschließend verteilt. Dabei wurde sichtbar, dass auch in einer wirtschaftlich hochentwickelten Metropole soziale Ungleichheit und Armut zum Alltag gehören. Der direkte Austausch mit Menschen vor Ort eröffnete einen ganz anderen Blick auf das Leben in Seoul.
Besonders eindrücklich war der Besuch der NGO PSCORE, die sich für Menschenrechte in Nordkorea einsetzt und nordkoreanische Geflüchtete unterstützt. Ein persönliches Gespräch mit einer geflüchteten Person machte die Themen Flucht, Menschenrechte und den Konflikt zwischen Nord- und Südkorea unmittelbar erfahrbar. Die persönlichen Schilderungen gaben den Teilnehmenden die Möglichkeit, über politische Zusammenhänge hinaus auch eine sehr persönliche Seite eines Konflikts kennenzulernen.
Auch die koreanische Kultur wurde nicht nur angeschaut, sondern selbst ausprobiert. Bei einem Hanji-Craft-Workshop gestalteten die Teilnehmenden eine eigene Lampe aus traditionellem koreanischem Papier. Stadtführungen durch historische und moderne Viertel sowie der Besuch des Gyeongbokgung Palace zeigten immer wieder, wie eng Tradition und Gegenwart in Seoul miteinander verbunden sind.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf internationalen und gesellschaftlichen Themen. Bei der Deutschen Botschaft erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die diplomatische Arbeit und die vielfältigen Beziehungen zwischen Deutschland und Südkorea. An der Korea University sowie der Hongik University konnten sie den Campus kennenlernen und mit Studierenden ins Gespräch kommen. Dabei entstanden spannende Vergleiche zum deutschen Hochschulsystem – insbesondere mit Blick auf Struktur, Gemeinschaft und den hohen Leistungsdruck im koreanischen Studienalltag.

Bei der Heinrich-Böll-Stiftung ging es schließlich um Umweltpolitik, Klimaschutz und die Herausforderungen nachhaltiger Stadtentwicklung. Gerade am Beispiel Seoul wurde deutlich, wie eng Fragen von Digitalisierung, Infrastruktur, Stadtplanung und gesellschaftlicher Entwicklung miteinander verbunden sind.
Und natürlich blieb zwischen all diesen Programmpunkten Zeit, Seoul selbst zu entdecken: bei gemeinsamen Restaurantbesuchen, Spaziergängen durch die Stadt oder beim Seoul Spring Festival am Han-Fluss mit einer beeindruckenden Drohnenshow.
Am Ende der Reise ging es deshalb mit deutlich mehr als nur Souvenirs zurück nach Deutschland. Die Teilnehmenden nahmen neue Eindrücke von Korea, spannende Einblicke in gesellschaftliche und politische Themen sowie viele persönliche Erfahrungen mit. Gleichzeitig war die gemeinsame Woche eine wertvolle Zeit für die Gruppe selbst: Durch die intensiven Tage, gemeinsamen Erlebnisse und Gespräche entstand ein starkes Gemeinschaftsgefühl.
Die Projektreise hat gezeigt, wie bereichernd internationale Begegnungen sein können. Wer sich auf eine andere Kultur einlässt, Fragen stellt und mit Menschen vor Ort ins Gespräch kommt, entdeckt nicht nur ein neues Land – sondern auch neue Sichtweisen auf die eigene Welt.


