Sie befinden sich hier: tjfbg.de › Außerschulische Angebote › barrierefrei kommunizieren! › Publikationen › Projektideen Meko 2019 › Infos: Hörbehinderung

Infos: Hörbehinderung

Sehr viele Menschen können nicht so gut oder gar nicht hören. Manche Menschen sind von Geburt an gehörlos oder schwerhörig, andere werden es erst im Laufe ihres Lebens: Aufgrund von Krankheiten, Unfällen oder einfach durch das Älterwerden. Auch durch Lärm und laute Musik kann man schwerhörig oder gehörlos werden. Menschen mit Höreinschränkungen sind sehr verschieden: Ein großer Unterschied ist, ob man sich mehr in der Welt der Gebärdensprache oder in Welt der Laut- und Schriftsprache zu Hause fühlt.

Lippenlesen – Geht das wirklich?

  • Lippenlesen machen wir alle, wenn es laut wird: Wir schauen dann automatisch auf den Mund des anderen und kombinieren das, was wir sehen, mit dem, was wir hören. Je weniger man hören kann, umso wichtiger wird das Lippenlesen.
  • In der deutschen Sprache kann man höchstens 30 Prozent der Laute wirklich durchs Absehen unterscheiden – und auch nur, wenn man sehr geübt ist. Der Rest muss durch Kombinieren erraten werden. Das ist auf Dauer anstrengend, weil man sich dabei sehr konzentrieren muss. 

Gebärdensprache

  • Gespräche in Gebärdensprache sind echte Hingucker: Mit einer Handgebärde, die sich im Raum bewegt, und einem Mundbild lässt sich genau das Gleiche sagen, wie mit der Lautsprache und das auch noch sehr ausdrucksstark!
  • Die Muttersprache von gehörlosen Kindern, die in der Gebärdensprachgemeinschaft aufwachsen, ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS). Die deutsche (Schrift-) Sprache lernen sie erst später wie eine Fremdsprache. Gehörlose brauchen daher auch manchmal eine einfache (Schrift) Sprache – auch hörende Menschen können ja nicht alle perfekt Fremdsprachen.
  • Für gehörlose Kinder ist es sehr wichtig, dass es Angebote in Gebärdensprache gibt, um das gleiche zu lernen wie alle: Zum Beispiel Bücher als Gebärdenvideos.
  • Übrigens: Gebärdensprachen sind nicht in allen Ländern gleich! Es gibt sogar in einem Land unterschiedliche Gebärden für die gleichen Dinge– so wie es auch unterschiedliche Dialekte gibt. 

Taub = Stumm?

  • Den Begriff "taubstumm" verwenden, wenn es um gehörlose Menschen geht? Sollte man nicht tun! Denn taube Menschen sind meistens gar nicht stumm, auch wenn ihre Stimme sich ungewohnt anhört oder sie sie nicht verwenden. Sie sind auch deswegen nicht stumm, weil sie ihre eigene Sprache haben – die Gebärdensprache.
  • In Deutschland hat man aber lange so getan, als wäre Gebärdensprache keine richtige Sprache. Daher mögen gehörlose Menschen den Begriff "taubstumm" gar nicht: Sie finden, der Begriff nimmt ihre Sprache nicht ernst.
  • "Taub" zu sagen, ist aber okay. Manche tauben Menschen finden "taub" sogar besser als gehör-"los": Sie finden nämlich nicht, dass ihnen etwas fehlt! Sie finden, sie sind Menschen mit einer eigenen Sprache. Für sie ist es vor allem wichtig, dass es mehr Angebote in Gebärdensprache gibt und Dolmetscher bezahlt werden.

Hörgerät oder Cochlea Implantat (CI)

  • Viele schwerhörige, gehörlose und ertaubte Menschen nutzen technische Hörhilfen wie Hörgeräte und Cochlea Implantate (CI). Hörgeräte werden im Gehörgang getragen und machen akustische Signale lauter. Das funktioniert nur dann gut, wenn noch ein ausreichendes Restgehör da ist.
  • Ein CI wird in einer Operation in die Cochlea implantiert, das ist die Hörschnecke im Innnenohr. Danach muss man das Hören komplett neu lernen. Dies funktioniert am besten, wenn man früher hören konnte. Oder wenn man eine gehörlose Person bereits als Baby operiert.
  • Daher gibt es auch Kritik am CI, weil jede Operation Risiken hat und manche gehörlose Menschen finden, dass ein Leben mit Gebärdensprache genauso gut ist. 
  • Doch ob mit Hörgerät oder Cochlea Implantat: Man hört damit nie ganz wie ein normalhörender Mensch. Daher sollte man immer an folgende Regeln denken:

So versteht man sich besser

  1. Etwas deutlicher, langsamer und kürzer reden – aber nicht übertreiben! Weil man sonst nicht mehr gut von den Lippen lesen kann. Und: Niemand möchte angeschrien oder für dumm gehalten werden!
  2. Zusatzinfos geben: Zum Beispiel durch Aufschreiben oder durch Zeigen. Wenn mehrere Leute miteinander sprechen und der Inhalt wechselt: Es hilft sehr, wenn man einen kurzen Hinweis gibt, das jetzt über etwas Anderes geredet wird und worüber.
  3. Freie Sicht auf den Mund! Daher: Nicht im Schatten stehen. Angucken beim Sprechen und auf sich aufmerksam machen, bevor man los redet. Und wie immer: Nicht mit vollem Mund reden.
  4. Alles verstanden? Manchmal gibt man nicht gerne zu, etwas nicht verstanden zu haben. Weil man noch nicht so mutig ist, zu sagen, dass man schlecht hört. Oder weil man nicht schon wieder ein Gespräch unterbrechen will. Ganz wichtige Infos sollte man daher auch noch schriftlich vermitteln.

Links