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Gesichtserkennung

Ich sehe dich und weiß, wie du bist. Denke ich jedenfalls!

Ziel

Erkennen:

  • Unser Gehirn denkt in Kategorien. Das bedeutet: Aufgrund nur weniger Merkmale und Eigenschaften wissen wir, dass etwas ein bestimmtes Objekt, Tier oder eine bestimmte Pflanze ist.
  • Das macht unser Gehirn auch mit Menschen. Doch was passiert, wenn wir Personen in Kategorien einteilen? Was für Folgen kann dies haben?

Ablauf

  • Ein Porträt auswählen, aufhängen und die Gruppe fragen: „Was denkt ihr über diese Person? Wie ist sie?“ Spontan drei Eigenschaften auf Klebezettel notieren, die zur Person einfallen (pro Zettel ein Wort).
  • Die Zettel links und rechts neben das Bild kleben: Alle Zettel mit beschreibenden, neutralen Begriffen (z. B. blond, klein, lächelnd) auf die eine Seite, auf die andere Seite alle Zettel mit Werturteilen (z. B. dumm, ängstlich, schön). Wenn die Unterscheidung nicht eindeutig ist: Gemeinsam entscheiden, auf welcher Seite der Klebezettel angebracht wird. 
  • Diskutieren: Welche Begriffe sind neutral, welche sind (Wert- bzw. Vor-)Urteile? Ist die Unterscheidung immer eindeutig? Wenn man z.B. sagt „Sie ist asiatisch“ bzw. „Sie ist chinesisch“: Ist das wirklich eine Beschreibung oder ein Urteil, dass man fällt, weil man nur das Äußere der Person sieht? Sind (Wert-)Urteile gerechtfertigt? Und wie entstehen sie?
  • Zum Abschluss das Video „Typisch?! – Woher kommen Vorurteile?“ schauen.

Erweiterung

  • Weitere Aktivitäten über die Themen Kategorisierung, Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung findet man im Parcours des Erasmus+ Projektes „Mensch sein – Zusammenleben“.

Inklusiv gedacht

  • Wenn die Kinder sich nicht gut schriftlich äußern können (oder Bewegung brauchen): Die Porträts an Wand/ Tafel heften. Verschiedene Fragen stellen und die Kinder bitten, sich bei jeder Frage unter das Bild der Person zu stellen, auf das die Aussage ihrer Meinung nach zutrifft: „Was meint ihr: Wer kocht gerne? Wer liebt Wissenschaften? Wer redet die ganze Zeit? Wer mag Gewürze? Wer kann gut Fußball spielen? Wer liest viele Bücher? Wer kann gut tanzen? Wem macht basteln Spaß? Wer ist intelligent? Wer ist sensibel? Wer mag Erdbeertorte?“
  • Zum Abschluss diskutieren: Warum hast du dich für dieses Bild entschieden? Welche Vorstellungen über Personen – und vielleicht auch Vorurteile – sind damit verbunden?

Links & Materialien


Hintergrund

Um in kürzester Zeit drei Wörter zu finden, die eine Person kennzeichnen, müssen wir in Kategorien denken: Da unser Gehirn gezwungen ist, ein unbekanntes Gesicht zu analysieren, schöpft es aus dem, was es bereits kennt, beobachtet und vereinfacht, um schnell zu einer Meinung zu kommen. (Den Prozess nennt man Kategorisierung) Dies führt zu:

  • Beschreibenden Antworten (neutrale Darstellung der Person): z. B. groß, klein, blond, jung usw.)
  • Werturteilen oder sogar stereotypischen Antworten: z.B.  nett, streng, schön usw.

Indem wir auf Stereotype zurückgreifen (allgemein verbreitete, vorgefasste und oftmals unbewusste Meinungen zu Personen bzgl. ihres Werts, ihrer körperlichen, moralischen, intellektuellen usw. Merkmale, die sie anscheinend mit den anderen Mitgliedern ihrer Gruppe gemein haben) ordnen wir Personen durch Vereinfachung Kategorien zu, ohne dabei den einzigartigen Charakter eines jeden zu berücksichtigen. Die zugrundeliegenden Stereotype können von Kultur zu Kultur verschieden oder allen gemein sein. 

Durch die Hinterfragung und die Analyse der vorgeschlagenen Wörter gelangt der Vorgang ins Bewusstsein: Der Unterschied zwischen neutralen Wörtern, die zum Register der Beschreibung gehören, und stereotypischen Wörtern, die Ergebnis einer Auslegung sind und verallgemeinern und sogar manchmal zu einem Werturteil führen.

Mehr dazu

Mit nur wenig Informationen kann sehr schnell eine Meinung oder ein Urteil zu einer Person gebildet werden: Diesen Vorgang nennt man „Eindrucksbildung”. In den ersten Augenblicken der Begegnung mit einer unbekannten Person (Dauer = mehrere Sekunden bis einige Minuten) geschieht dieser Vorgang automatisch. Der (richtige oder falsche) Eindruck, der von dieser Person entsteht, kann unser Urteil über sie dauerhaft beeinflussen: Wenn wir jemanden bei der ersten Begegnung etwa „nicht wirklich riechen können“, dann kann es sehr lange dauern, bis wir dieser Person vertrauen. Die Eindrucksbildung kann durch mehrere Faktoren beeinflusst werden (Lächeln, Blick, Anziehungskraft, Pheromone usw.), auch durch Stereotype (vereinfachte Darstellungen von Personenkategorien).


Erläuterung zu: Inklusiv gedacht

Meistens verbinden die Teilnehmenden jede Frage mit einem Portrait. Bei der Frage „Wer mag Erdbeertorte?“ jedoch sagen alle, dass sie das nicht wissen können. Aber warum hatten sie keine Probleme mit den Antworten auf die anderen Fragen? Sie werden nach unterschiedlichen Kriterien urteilen: Ich denke, dass sie/er das ist, weil: sie ein Mädchen ist; er jung ist; sie eine Brille trägt; alle Afrikanerinnen, die ich kenne, gut kochen; sie lächelt usw.

Eigentlich können alle Portraits eine Antwort auf die gestellten Fragen darstellen. Die Gesichter als solche enthalten keinerlei Hinweis auf die richtige Antwort, und wir können die positiven Eigenschaften, Fehler und Aktivitäten einer Person nicht kennen, nur weil wir ihr Gesicht betrachten. 

Diese Übung zeigt, dass wir uns bei der Kategorisierung von Menschen oftmals auf bestimmte, unbegründete, vorgefasste Meinungen (Stereotype) stützen, in Abhängigkeit von biologischen oder kulturellen Kriterien (Geschlecht, Hautfarbe, soziale Herkunft, sexuelle Orientierung usw.); dabei verallgemeinern wir, ohne den einzigartigen Charakter eines jeden zu berücksichtigen. Manchmal verbinden wir diesen Vorgang mit einem ungeprüften, von uns jedoch als korrekt erachteten Werturteil. In diesem Falle sind wir Träger von Vorurteilen.

Stereotype und Vorurteile werden uns durch unser Umfeld, unsere Erziehung und unsere Kultur vermittelt; deswegen tragen wir sie unbewusst (manchmal auch bewusst) weiter und erkennen nicht unbedingt ihre Auswirkungen. Jedoch beeinflussen sie unsere sozialen Beziehungen und unsere täglichen Entscheidungen.
Wie werden Stereotype vermittelt? 

  • Als Ergebnis von Verallgemeinerungen: Dieser Lehrer ist so, folglich sind alle Lehrer gleich.
  • Als Ergebnis von Sympathie oder Antipathie: Dieser Sportler ist nett, folglich sind alle Sportler nett.
  • Als Ergebnis von Ähnlichkeiten: Oftmals bevorzugen wir diejenigen, die uns ähneln.
  • Durch den ersten Eindruck (der oftmals trügt): Unsere Wahrnehmung beeinflusst unser Urteil, obgleich sie auf einer vorgefassten Meinung zum Erscheinungsbild einer Person basiert.
  • usw.